18.04.2019 / Sektionen / / , , ,

Stadelmann will mehr soziale und ökologische Akzente setzen

Ein Bericht von Stefan Dähler in der Luzernerzeitung.

Mit Karin Stadelmann (33) vollzieht die CVP Stadt Luzern im Präsidium einen Generationenwechsel. Sie will unter anderem bei den Jungen punkten und die sozialen Medien stärker nutzen.

Es ist keine einfache Situation, in der die Stadtluzerner CVP steckt. Bei den kommunalen Wahlen 2016 verlor die Partei das Stadtpräsidium und zwei Parlamentssitze, bei jenen für den Kantonsrat am letzten Sonntag im Wahlkreis Stadt Luzern nochmals einen Sitz. Nun vollzieht die CVP einen Generationenwechsel: Karin Stadelmann (33) übernimmt das Präsidium von Andrea Gmür (54), die die Partei während fünf Jahren geleitet hat und sich nun als Ständeratskandidatin auf die nationale Politik konzentriert.

Offiziell zur Präsidentin gewählt wird Karin Stadelmann, die in Luzern aufgewachsen ist, am Dienstag, an der Parteiversammlung. Sie beurteilt den Zustand der Partei trotz der Wahlniederlagen positiv: «Personell sind wir sehr gut aufgestellt, Andrea Gmür hat an der Basis sehr gute Arbeit geleistet und unter anderem auch mich für die politische Arbeit motiviert.»

Stadelmann doktoriert derzeit an der Uni Zürich und arbeitet am Departement Soziale Arbeit der Hochschule Luzern. Obwohl sie eine verhältnismässig junge Präsidentin ist, hat Stadelmann parteiintern schon viel Arbeit geleistet. Sie ist Vizepräsidentin der kantonalen CVP und war massgeblich an der Gründung der städtischen Jungen CVP beteiligt. Dass Stadelmann noch keine Parlamentserfahrung aufweist, sieht sie nicht als Nachteil: «Ich konnte mich Schritt für Schritt politisch entwickeln und Kontakte knüpfen, ohne gleich im Scheinwerferlicht zu stehen.» Zuletzt tat sich Stadelmann als Mitgründerin der CSV, einer sozial ausgerichteten Vereinigung innerhalb der CVP, hervor. Bei den Kantonsratswahlen landete sie auf dem ersten Ersatzplatz.

 

Für Frauenquote, gegen Spange Nord

Die neue CVP-Präsidentin ist gemäss Smartvote etwas sozialer eingestellt als ihre Vorgängerin, die eher dem rechten Flügel der Partei angehört. Stadelmann befürwortet die gleichgeschlechtliche Ehe oder eine zeitlich befristete Frauenquote in der Wirtschaft und lehnt die Spange Nord, in der Form, wie sie ursprünglich geplant ist, ab. Wird man das im Auftreten der Stadtpartei künftig spüren? «Grundsätzlich will ich unseren Kurs, der den wirtschaftlichen mit dem sozialen Flügel verbindet, beibehalten», sagt Stadelmann. «Im sozialen oder ökologischen Bereich will ich aber gewisse Akzente setzen.» Weiter will sie neue Veranstaltungsformen stärker etablieren, die jüngere Leute ansprechen, die sich nicht gleich an eine Partei binden wollen: «Möglich wären etwa ein lockerer Stamm in einer Bar, gemeinsam mit anderen Verbänden organisierte Themenabende oder auch mal ein Kinobesuch mit anschliessender Diskussion.» Dabei will Stadelmann Schwerpunkte setzen, die unter den Jungen zu reden geben. «Wer wen heiratet, sorgt bei unserer Generation kaum mehr für Aufregung, sondern die Zukunft der AHV, das Klima oder die Digitalisierung und damit verbundene berufliche Veränderungen.»

 

Das C steht für «Chancenvielfalt»

Karin Stadelmann selbst kam bereits früh mit der Politik in Kontakt. «Es wurde zuhause viel diskutiert und so habe ich gelernt, zu argumentieren.» Ihre Eltern hätten keiner Partei angehört, seien zwischen CVP und SP gestanden. Besonders religiös ist Stadelmann nicht, aber ihr sind gesellschaftliche Werte wichtig. Für sie persönlich steht das «C» für Chancenvielfalt, weiter sind ihr Werte wie Solidarität und Freiheit, die christlich-soziale Wurzeln hätten, wichtig. Was gab den Ausschlag für die CVP? «Die FDP war mir zu wenig solidarisch, die SP etwas zu staatsgläubig. Mir gefällt die Rolle der CVP als Vermittlerin und Brückenbauerin zwischen links und rechts.» An der kantonalen CVP-Delegiertenversammlung am Dienstagabend wurde auch die Frage aufgeworfen, ob die Partei noch staatstragend sei. «Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die CVP als Mehrheitsbeschafferin eine wichtige Funktion im Parteiensystem hat. Ohne uns würde die Schweiz anders aussehen», sagt Stadelmann. «Das Problem ist aber, dass man das nicht so gut verkaufen kann. Daran müssen wir arbeiten.»

 

Schneller und pointierter kommunizieren

Ihr Ziel ist, dass Parteimitglieder und die Bevölkerung schneller und teils auch pointierter die Position der CVP Stadt erkennen können. «Ein Statement von einem Fraktions- oder Parteileitungsmitglied darf auch mal Diskussionen auslösen.» Stadelmann selbst etwa nutzt gerne Twitter – wie bereits ihre Vorgängerin Andrea Gmür. Allerdings birgt das Medium auch Risiken. Man denke nur an den Extremfall, den «Kristallnacht für Moscheen»-Tweet eines Zürcher-SVP-Politikers. In Luzern sorgte ein Tweet des CVP-Kantonalparteipräsidenten Christian Ineichen gegen die gleichgeschlechtliche Ehe letztes Jahr für heftige Reaktionen. Doch grundsätzlich seien soziale Medien eine Chance und ein möglicher Kanal, nebst den traditionellen Medien, «wenn die Meinungsbildung innerhalb der Partei öffentlich stärker wahrgenommen werden soll», meint Stadelmann weiter.

 

Mögliche Partner für Listenverbindung gesucht

Das nächste grosse Ziel der städtischen CVP sind die kommunalen Wahlen 2020. «Wir wollen sicher unsere sieben Sitze halten und einen dazugewinnen», sagt Stadelmann. Offen ist, ob und wenn Ja mit wem die CVP Listenverbindungen eingeht. Für die Kantonsratswahlen hat die Parteileitung unter anderem die Variante geprüft, einen bürgerlichen Block mit FDP und SVP zu bilden, was an der Parteiversammlung jedoch wegen Vorbehalten gegen die SVP scheiterte. Mit der EVP konnte dann eine Listenverbindung eingegangen werden. Wie sieht die Strategie für 2020 aus? «Wir müssen zuerst das Wahlresultat der vergangenen Wahlen analysieren und uns parteiintern besprechen», sagt Stadelmann. Und fügt an: «Für mich ist vieles möglich, es muss aber auch inhaltliche Berührungspunkte geben, wenn es zu einer Listenverbindung kommen soll, denn das fordern unsere Parteimitglieder.»